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Ergebnisse des 2. Technologie-Monitors: KI-Technologien für Menschen mit Behinderungen

KI-Technologien

Bericht | Überblick

Dieser Bericht fasst die aktuellen und wichtigsten Ergebnisse aus dem Monitoring im Projekt KI-Kompass Inklusiv zusammen: Welche KI-Assistenztechnologien sind verfügbar? Was unterstützen sie? Wen adressieren sie? Welche Trends gibt es?

Was ist der Technologie-Monitor?

Der Technologie-Monitor ist ein zentrales Ergebnis des Projektbereichs „Monitoring“. Im Monitoring wird der aktuelle Stand der Entwicklungen von KI-gestützten Assistenztechnologien für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen untersucht. Im Zentrum stehen die Fragen: „Welche Produkte und welche abgeschlossenen Projekte mit Prototypen existieren bereits? Welche Art von Unterstützung bieten und wen adressieren sie?”

Zur Beantwortung dieser Fragen werden im Projekt KI-Kompass Inklusiv in regelmäßigen Abständen KI-gestützte Assistenztechnologien recherchiert, welche für Menschen mit Behinderungen Unterstützung beim Arbeiten oder Lernen am Arbeitsplatz bieten können. Die recherchierten Technologien werden in einer im Projekt aufgebauten Datenbank erfasst und ausgewertet. Die Analyseergebnisse erscheinen zusammengefasst in Berichten im Wissenspool des Projektes: Nach dem 1. Technologie-Monitor im Januar 2025 liegt hiermit der Bericht zum 2. Technologie-Monitor vor.

Darüber hinaus sind die zentralen Informationen zu den recherchierten Technologien auf der Webseite im sogenannten Technologie-Monitor mit Suchfunktion und weiteren Beiträgen im Wissenspool zugänglich.

Wem hilft der Technologie-Monitor?

Der Technologie-Monitor des Projekts KI-Kompass Inklusiv gibt einen Einblick in den Stand der Entwicklungen KI-gestützter Assistenztechnologien. Er soll für Menschen mit Behinderungen, für beratende Einrichtungen und für Arbeitgeber eine Orientierung über die Möglichkeiten von KI für die berufliche Teilhabe bieten.

Die Wahl einer geeigneten, auf die individuellen Bedürfnisse und den Arbeitsplatz abgestimmten Technologie bedarf dabei immer einer eingehenden Einzelfallprüfung der Funktionsweise, der Einsatz- und Rahmenbedingungen. Hierfür gibt es im deutschen Rehabilitationssystem eine Vielzahl von unterstützenden Einrichtungen.

Kernergebnisse des 2. Technologie-Monitors

Im Zeitraum zwischen Oktober 2025 und März 2026 wurde im Projekt der zweite Zyklus der systematischen Internetrecherche zum aktuellen Stand von KI-gestützten Assistenztechnologien durchgeführt. Das Projektteam hat die recherchierten Technologien und Projekte in einer Datenbank in verschiedenen Kategorien erfasst und die Beschreibungskategorien sowie -texte in mehreren Durchgängen überprüft und überarbeitet. Anschließend erfolgte eine Auswertung der zentralen Informationskategorien.

Im Bereich Fragen und Antworten zum Technologie-Monitor finden Sie mehr Informationen zum methodischen Vorgehen.

Die zentralen Auswertungsergebnisse vom 2. Technologie-Monitor werden im Folgenden vorgestellt.

Wie viele KI-Technologien gibt es, die Menschen mit Behinderungen beim Arbeiten unterstützen?

Aktuell enthält die Datenbank 173 KI-gestützte Assistenztechnologien (Stand: September 2026). Im 1. Technologie-Monitor waren es noch 151 (Oktober 2024).

Eine Einordnung, ob das viele oder eher wenige Technologien sind, gestaltet sich schwierig, denn der Technologie-Monitor ist kein repräsentatives Abbild vorhandener oder entwickelter Technologien. Weitere Ausführungen zur Aussagekraft der Monitoring-Ergebnisse finden Sie im Bereich Fragen und Antworten zum Technologie-Monitor.

Welchen Entwicklungsstand haben die Technologien?

Säulendiagramm zum Reifegrad von 173 Technologien: Produkte: 103, also 60% der Technologien in der Datenbank. Prototypen, Demonstratoren: 45, also 26% In Entwicklung / Laufende Projekte: 25, also 14%.
Abbildung 1: Reifegrad der KI-Technologien im 2. Technologie-Monitor, Stand: 09/2026

Die Abbildung 1 zeigt den Reifegrad der KI-Technologien in der Datenbank. Mit 103 Produkten sind 60 Prozent der recherchierten 173 KI-Technologien verfügbar. Weitere 45 Technologien liegen aus abgeschlossenen Projekten als Prototypen oder Demonstratoren vor. Ob und unter welchen Bedingungen diese verfügbar sind, muss im Einzelfall geprüft werden. 25 Technologien werden gerade in laufenden Projekten entwickelt.

Damit sind insgesamt 40 Prozent der Technologien in der Datenbank noch nicht oder nur (sehr) eingeschränkt zugänglich. Hier zeigt sich eine Entwicklung seit dem ersten Technologie-Monitor (siehe Abbildung 2): Durch die gezielte Suche nach verfügbaren Produkten und den Ausschluss von Prototypen, die vor 2020 entwickelt wurden, enthält die Datenbank nun deutlich mehr als die Hälfte verfügbare KI-Technologien.

Säulendiagramm zum Reifegrad der Technologien in der Datenbank 2024 und 2026: Produkte 2024 46%, 2026 60% Prototypen, Demonstratoren: 2024 38%, 2026 26% In Entwicklung / Laufende Projekte: 2024 16%, 2026 14%

 

Welche Arten der Unterstützung bieten die KI-Technologien am Arbeitsplatz?

Die in der Datenbank erfassten KI-Technologien unterstützen Menschen mit Behinderungen bei verschiedenen Aufgaben am Arbeitsplatz. Diese Aufgaben werden im Projekt in acht Unterstützungsarten unterteilt. Für jede Technologie wird in der Datenbank bestimmt, welche Aufgabe oder Aufgaben sie unterstützt. Mehr als jede dritte Technologie (38 Prozent) unterstützt auf zwei Arten. Abbildung 2 führt die Häufigkeit der Unterstützungsarten der KI-Technologien auf.

Balkendiagramm zu Unterstützungsarten von 173 Technologien:Wahrnehmen: 58, also 34% Kommunizieren: 55, also 32% Arbeiten: 42, also 24% Navigieren: 25, also 14% Steuern: 25, also 14% Lernen; 21, also 12% Körperlich unterstützen: 16, also 9% Psychsich unterstützen: 6, also 3%
Abbildung 3: Arten der Unterstützung von 173 KI-Technologien im 2. Technologie-Monitor, Stand: 09/2026

Wie bereits im ersten Technologie-Monitor und sogar im Vorgängerprojekt KI.ASSIST bieten die KI-Technologien nur selten psychische Unterstützung, sondern unterstützen vor allem das Wahrnehmen und Kommunizieren sowie konkrete Arbeitsprozesse. Für diese Unterstützungsarten finden sich überwiegend fertige Produkte, wie die folgenden Beispiele (beim Klick auf den Technologienamen öffnet sich ein Steckbrief mit Informationen zur Technologie in einem neuen Fenster):

  • Wahrnehmen: Be My Eyes – App zur Unterstützung von Menschen mit Sehbehinderungen bei der Wahrnehmung von Gegenständen und Unterstützung in Alltagssituationen (kostenloses Produkt)
  • Wahrnehmen: transcribby AI – KI-gestützte Übersetzung und Transkription für Menschen mit Hörbehinderungen
  • Kommunizieren: RogerVoice – Sprache-zu-Text-App zur Unterstützung beim Telefonieren für Menschen mit Hörbehinderungen
  • Kommunizieren: xyz – Tool zur Übersetzung von Texten in einfache Sprache

Kommunikations- sowie Arbeitsunterstützung bieten darüber hinaus unzählige Chatbots und virtuelle Assistenten, die auf großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLM) basieren, zum Beispiel ChatGPT, Gemini oder Claude. Diese Anwendungen wurden zwar nicht spezifisch für Menschen mit Behinderungen entwickelt. Sie können aber aufgrund der vielfältigen und niedrigschwelligen Einsatzmöglichkeiten Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen bei der Kommunikation, auf der Arbeit und beim Lernen unterstützen.

Weitere Beispiele für Arbeits- sowie Lernunterstützung:

  • Arbeiten: TeamViewer Frontline: xMake – Intelligente Datenbrille unterstützt Fertigungsprozesse durch Ausführungserfassung und -feedback
  • Arbeiten: NotebookLM – KI-Assistent für Rechercheaufgaben
  • Kommunizieren, Arbeiten und Lernen: capito.ai – KI-Tool für Leichte Sprache und Einfache Sprache. Da diese Technologie komplexe Textbestandteile kennzeichnet und vorgeschlagene Textvereinfachungen auf verschiedenen Sprachniveaus begründet, unterstützt sie nicht nur das Kommunizieren und Arbeiten, sondern bietet auch die Möglichkeit des Erlernens einfacher, verständlicher Sprache.

Beispiele für recherchierte KI-Technologien mit weiteren Unterstützungsarten:

  • Navigieren: Smart Assistant – Smarter Langstock mit Sprachsteuerung und Audioausgabe zur Orientierung und Hindernisnavigation für Menschen mit Sehbehinderungen (Laufendes Projekt)
  • Steuern: FourWays – Kopf- und blickgesteuerte Computernutzung für Menschen mit körperlichen Behinderungen (Produkt)
  • Körperlich unterstützen: Synchron – Gedankengesteuerte Computernutzung über eine Gehirn-Computer-Schnittstelle für Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen (Laufendes Projekt)
  • Körperlich unterstützen: AktiveGehInteraktion– Aktive Geh-Orthese mit Kraftumlenkung und intelligenter Antriebsinteraktion für querschnittsgelähmte Menschen (Prototyp)
  • Psychische Unterstützung: Cello – Sensorgestützte Stressmanagement-App für Menschen mit psychischen Behinderungen (Prototyp)

Welche Behinderungsarten adressieren die KI-Technologien?

Gut ein Viertel der KI-Technologien in der Datenbank adressiert keine Behinderungsart ausdrücklich. Die meisten dieser Technologien, die nicht spezifisch für Menschen mit Behinderungen entwickelt wurden, unterstützen konkrete Arbeitsprozesse oder das Kommunizieren. Die Abbildung 4 gibt eine Übersicht über die adressierten Behinderungsarten der 173 KI-Technologien.

Balkendiagramm zu adressierten Behinderungsarten von 173 Technologien:Sehbehinderungen: 58, also 34% Hör- und Sprachbehinderungen: 36, also 21% Körperliche Behinderungen: 35, also 20% Lern- und geistige Behinderungen: 20, also 12% Psychische Behinderungen: 8, also 5% Autismus-Spektrum: 5, also 3% Chronische Erkrankungen: 5, also 3% Keine Behinderungsart ausdrücklich adressiert: 45 Technologien, also 26%
Abbildung 4: Adressierte Behinderungsarten von 173 KI-Technologien im 2. Technologie-Monitor, Stand: 09/2026

Wie bereits im ersten Technologie-Monitor richten sich auch aktuell die meisten KI-Technologien an Menschen mit Sinnesbehinderungen (insgesamt 55 Prozent der Technologien). 58 Technologien adressieren Sehbehinderungen, 36 Technologien richten sich an Hör- und Sprachbehinderungen. Jede fünfte KI-Technologie richtet sich an Menschen mit körperlichen Behinderungen.

Am seltensten unterstützen die KI-Technologien nach wie vor bei chronischen Erkrankungen, bei Autismus-Spektrum sowie bei psychischen Behinderungen (5 bis 8 Technologien). Einen leichten Zuwachs gibt es bei KI-Technologien, die sich an Menschen mit Lern- und geistigen Behinderungen richten: 2026 finden sich hier 20 Technologien, im Oktober 2024 waren es noch 10.

Was bedeuten die Ergebnisse zusammengefasst?

  1. Der Markt KI-gestützter Assistenztechnologien entwickelt sich hochdynamisch mit Fokus auf die Unterstützung von Sensorik und Kommunikation. Bei Arbeits- und Lernunterstützung ist ein Anstieg verfügbarer Technologien zu beobachten. Ein Grund für diesen Befund liegt in der rasanten Entwicklung von LLM-basierten Chatbots und virtuellen Assistenten. Bei KI-Anwendungen zur psychischen Unterstützung besteht aber trotz hoher Nachfrage nach wie vor eine große Lücke.
  2. Es ist ein Daten- und Evaluationsdefizit festzustellen. Verlässliche und unabhängige Informationen zu den Technologien sind schwer zu beschaffen. Informationen sind schnell veraltet. Die Prüfung von Qualität und Wirksamkeit der recherchierten Technologien ist zudem mit den verfügbaren Projektressourcen nicht umsetzbar.
  3. Schließlich stellen der Reifegrad und der Transfer in die Praxis große Herausforderungen dar: Viele Technologien verbleiben im Prototypenstatus. Die tatsächliche Verfügbarkeit und Praxistauglichkeit der Technologien können nur durch individuelle Einzelfallprüfungen bewertet werden.

Wann gibt es den nächsten Technologie-Monitor?

Der dritte und im Projektverlauf letzte Recherchezyklus startet Anfang 2027. Dabei werden über eine neue Funktion auf der Webseite eingegangene Technologie-Vorschläge von Anbietern sowie von Menschen mit Behinderungen für die Aufnahme in die Datenbank geprüft. Nach der Überarbeitung und Auswertung der Funde ist die Veröffentlichung des 3. Technologie-Monitors zum Ende der Projektlaufzeit im Spätsommer 2027 geplant.

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