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Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

Gegenwart und Zukunft der KI-Assistenz zur Förderung der beruflichen Teilhabe

Ein Rückblick auf die KI-Kompass Inklusiv-Fachtagung

Am 29. September 2026 hat das Projekt KI-Kompass Inklusiv zur Fachtagung in Berlin eingeladen.

Neben der Präsentation zentraler Ergebnisse aus der bisherigen Projekt- und Forschungsarbeit war die Fachtagung eine Plattform für den fachlichen und persönlichen Austausch: Gemeinsam diskutierten rund 130 Gäste, darunter Menschen mit Behinderungen sowie ihre Vertretungen und Fach- und Führungspersonen aus der beruflichen Rehabilitation, aus Unternehmen sowie aus der Arbeits- und KI-Forschung, wie KI-gestützte Assistenztechnologien die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben unterstützen kann.

Wir danken allen Vortragenden, Teilnehmenden und Mitwirkenden für ihre Beiträge. Wir konnten wertvolle Impulse für die weitere Arbeit im Projekt mitnehmen. Unser besonderer Dank gilt dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales für die Förderung des Projekts aus Mitteln des Ausgleichsfonds sowie unserem Begleitgremium für die fachliche Unterstützung.

Das war das Programm:

Inhaltliche Impulse

Eröffnung der Tagung mit Prof. Dr. Niels Pinkwart (DFKI und Humboldt-Universität Berlin)

Grußwort von Staatssekretärin Leonie Gebers (Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

Fachvortrag 1: „Selbstbestimmt durch und mit KI. Ansatzpunkte für nutzer*innen-zentrierte Forschung und Entwicklung“, Prof. Dr. Klaus Miesenberger (Johannes Kepler Universität Linz)

Fachvortrag 2: „KI, Regulierung und Inklusion – rechtlicher Status quo und aktuelle Debatten“, Prof. Dr. Hannah Ruschemeier (Universität Osnabrück)

Vertiefender Austausch in drei Themeninseln

  1. KI-Technologien in Forschung und Entwicklung: Überblick über KI-Assistenz, KI-Technologie-Szenario, Partizipative Entwicklung
  2. KI-Technologien in der Beratung und Kompetenzförderung: KI-Nutzungserfahrungen, Schulungen und Beratungen
  3. KI-Technologien im Arbeitsleben: Arbeitgeber-Praxislabore, Technologie-Demonstrationen, Rahmenbedingungen für KI-Einsatz

  Poster-Rundgang

  Ideen-Werkstätten

Zeit zum Netzwerken

Abschluss

  Podiumsdiskussion: „Mensch, Maschine, Mitbestimmung: KI zwischen Assistenz und Automatisierung“, mit Dr. Kinga Schumacher (DFKI), Frank Schrapper (BIH e.V.) und Hakan Calim (Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)

Hier finden Sie das barrierefreie Programm-PDF

Moderation & Barrierefreiheit

Durch den Tag führte ein inklusives Moderationsteam: Die Journalistin Teresa Sickert und die Gebärdensprachdozentin, Autorin und Moderatorin Anke Klingemann begleiteten die Veranstaltung gemeinsam in Laut- und Gebärdensprache.

Simultanübersetzung in Deutsche Gebärdensprache (DGS) und Schriftsprache, Audiodeskription wurden entsprechend angemeldeten Bedarfen während der gesamten Tagung gewährleistet.

Foto von zwei Moderatorinnen auf der Bühne, daneben ein großer Bildschirm mit Echtzeit-Untertiteln
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

Eröffnung

Eröffnet wurde die Fachtagung von Prof. Dr. Niels Pinkwart (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Konsortialleitung des Projektes). Im Gespräch mit den beiden Moderatorinnen freute er sich über das große Interesse an der Fachtagung und hob die besondere Rolle des Begleitgremiums des Projekts hervor: Seine Mitglieder bringen als Expert*innen in eigener Sache ihre Perspektiven in die Projektarbeit ein.

Foto mit beiden Moderatorinnen und Niels Pinkwart, der gerade in ein Mikrofon spricht.
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

„Wir möchten Einblicke in das Projekt, in Forschungs- und Projektergebnisse sowie in die Arbeitsweise des Projektteams bieten. Letztendlich erhoffen wir uns natürlich auch, dass der Austausch mit der Community an diesem Tag für alle Teilnehmenden gewinnbringend wird“
– Prof. Dr. Niels Pinkwart

Grußwort von Staatssekretärin Leonie Gebers

In ihrem Grußwort betonte Staatssekretärin Leonie Gebers vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales – dem Fördermittelgeber des Projekts – dass KI dem Menschen dienen und ihn nicht ersetzen solle. Das Projekt KI-Kompass Inklusiv sei ein gutes Beispiel dafür, wie technologischer Fortschritt der Gesellschaft zugutekommen könne.

Foto der Staatssekretärin Leonie Gebers am Renderpult
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

Kernpunkte:

  • Die digitale Transformation verändert fast alle Lebensbereiche. KI lässt sich als Querschnittstechnologie in der Arbeitswelt vielseitig nutzen.
  • Ob KI der Gesellschaft nützt, hängt davon ab, wer sie wie und wofür entwickelt. Denn KI kann auch ein Machtinstrument sein und Risiken bergen, von Datenmissbrauch bis Diskriminierung.
  • KI-basierte Assistenztechnologien aus dem Technologie-Monitor von KI-Kompass Inklusiv zeigen, wie ein Mehrwert durch KI aussehen kann.

„Die digitale Transformation ist nicht per se gut, aber auch nicht per se schlecht. Es liegt an uns, sie so zu gestalten, dass alle davon profitieren.“
– Staatssekretärin Leonie Gebers

Fachvortrag 1:
Selbstbestimmt durch und mit KI. Ansatzpunkte für nutzer*innen-zentrierte Forschung und Entwicklung

Prof. Dr. Klaus Miesenberger, Johannes Kepler Universität Linz

Prof. Dr. Klaus Miesenberger forscht und lehrt seit mehr als 30 Jahren zu assistiven Technologien, Barrierefreiheit und inklusiver Digitalisierung und ist Vorstand des Instituts Integriert Studieren an der Johannes Kepler Universität Linz. Mit seiner langjährigen Erfahrung aus zahlreichen nationalen und internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekten ist er ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet.

Foto von Klaus Miesenberger, der in ein Mikrofon spricht und gestikuliert
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

Kernpunkte:

  • KI hat das Potenzial, Inklusion stärker zu unterstützen als bisherige Technologien, da sie den zentral menschlichen Bereich der Sprache und Kommunikation erreicht.
  • Technologie allein schafft keine Inklusion. Sie bleibt ein sozialer, menschlicher Prozess.
  • Menschen mit Behinderungen gehören von Beginn an als Co-Forschende dazu, sonst gehen Assistenztechnologien an ihren Bedarfen vorbei und bleiben ungenutzt.

„Unsere Forschung macht keinen Sinn, wenn nicht Menschen mit Behinderungen selbst dabei teilnehmen, einen aktiven Beitrag leisten.“
– Prof. Dr. Klaus Miesenberger

Fachvortrag 2:
KI, Regulierung und Inklusion – rechtlicher Status quo und aktuelle Debatten

Prof. Dr. Hannah Ruschemeier, Universität Osnabrück

Prof. Dr. Hannah Ruschemeier ist Professorin für öffentliches Recht an der Universität Osnabrück und beschäftigt sich in ihrer Forschung unter anderem mit KI- und Plattformregulierung, Datenschutz sowie den rechtlichen Fragen der digitalen Transformation. Damit verbindet sie Recht und Digitalisierung – zwei Bereiche, die für die Entwicklung einer inklusiven KI eine wichtige Rolle spielen.

Foto von Hannah Ruschemeier, die gerade am Rednerpult mit der Aufschrift "KI Kompass Inklusiv" spricht.
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

Kernpunkte:

  • Das Benachteiligungsverbot gilt auch für KI-Systeme, auch wenn die KI-spezifischen Verordnungen (DSGVO, AI Act) Menschen mit Behinderungen kaum ausdrücklich nennen.
  • Diskriminierung durch KI ist schwer zu erkennen und nachzuweisen. Deshalb ist es wichtig, auch Verfahrensregeln gesetzlich zu verankern.
  • Viele Rechtsfragen sind noch offen. Eine gefestigte Rechtsauffassung entsteht üblicherweise erst durch die Anwendung in der Praxis und Gerichtsurteile. Dabei gilt es, den Grundrechtsschutz zu wahren.

„Das ganz Wichtige ist, dass der Datenschutz natürlich auch Menschen schützt und nicht Daten. Datenschutz ist in erster Linie Grundrechtsschutzinstrument und natürlich deswegen auch für Menschen mit Behinderung sehr wichtig.“
– Prof. Dr. Hannah Ruschemeier

Vertiefender Austausch in drei Themeninseln

In drei Themeninseln stellte das Projektteam zentrale Arbeiten und Forschungsergebnisse aus den Projektsäulen vor. Jede Insel verband eine  Posterausstellung mit einer thematisch passenden   Ideen-Werkstatt.

Poster-Rundgang

Im freien Rundgang durch alle Themeninseln kamen die Teilnehmenden mit den Ansprechpersonen am Poster ins Gespräch. Alle Poster finden Sie nachfolgend nach Themeninseln geordnet, jeweils als PDF (nicht barrierefrei) und als Audiodeskription.

Foto von zwei Personen, die sich vor einem Poster unterhalten
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

 

Ideen-Werkstätten

In den Ideen-Werkstätten waren die Teilnehmenden selbst gefragt. In den drei Themeninseln konnten sie Technologien im praktischen Einsatz bestaunen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam Ideen weiterentwickeln.

Foto einer kleinen Gruppe von Menschen, die im Halbkreis um ein Flipchart steht. Eine Person spricht, die anderen hören zu. Im Vordergrund schreibt eine Person auf ein Kärtchen.
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

Zeit zum Netzwerken

Zwischen den Programmpunkten nutzten viele Teilnehmende die Pausen, um sich zu vernetzen und Gespräche aus den Vorträgen und Themeninseln weiterzuführen.

Foto von drei Personen, die sich in einem sonnigen Außenbereich unterhalten und lächeln. Im Hintergrund sind weitere Menschen.
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk
Foto von zwei Personen, die sich in einem Foyer unterhalten. Im Hintergrund weitere Personen, die sich unterhalten.
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

 

Podiumsdiskussion:
Mensch, Maschine, Mitbestimmung – KI zwischen Assistenz und Automatisierung

Zum Abschluss richtete eine Podiumsdiskussion den Blick auf die zukünftige Arbeitswelt. Die Teilnehmenden diskutierten Fragen zur inklusiven Entwicklung von KI-Technologien, dem Einsatz von KI in Unternehmen und der Mitbestimmung von Menschen mit Behinderungen im Lebenszyklus von KI-Technologien.

  • Hakan Calim

    Informatiker an der FAU Erlangen-Nürnberg, Entwickler einer KI-gestützten Mobilitätshilfe für Menschen mit Sehbehinderungen.

    Foto von Hakan Calim, der gerade in ein Mikrofon spricht. Hinter ihm steht eine Gebärdensprach-Dolmetscherin
    Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

    Zentrale Positionen:

    • Wo KI-Assistenz sinnvoll ist und wo nicht, können einzelne Entwickler*innen nicht allein festlegen. Sie können nicht für alle Menschen mit Behinderungen sprechen.
    • Vielversprechende Forschungsprojekte enden, ohne dass daraus marktreife Produkte werden.

    „Man sollte sich bewusst machen: Die KI kann helfen, aber nur zu einem begrenzten Teil. Und diesen begrenzten Teil sollte man sich bewusst machen und versuchen auszunutzen.“

  • Frank Schrapper

    Leitet den Technischen Beratungsdienst (TBD) beim LWL-Inklusionsamt Arbeit, Vorsitzender im Arbeitsausschuss TBD d. BIH, Projektbeirat.

    Foto von Frank Schrapper, der gerade in ein Mikrofon spricht.
    Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

    Zentrale Positionen:

    • In Unternehmen kommt KI bislang meist als Insellösung an. Häufiges Problem ist nicht-barrierefreie Software.
    • Das Teilhaberecht greift oft erst, wenn Probleme bereits entstanden sind. Über KI-Einsatz sollte frühzeitig gemeinsam mit den Beschäftigten entschieden werden.

    „Ein gutes Instrument dafür ist in meinen Augen eine Inklusionsvereinbarung. Das ist eine gute Voraussetzung, um solche Prozesse anzugehen. Wenn ich die habe, ist die Voraussetzung gegeben, dass ich die Menschen bei der Einführung mitnehme und grobe Fehler vermeiden kann.“

  • Dr. Kinga Schumacher

    Informatikerin und Senior Researcherin im Fachbereich Kognitive Assistenzsysteme, leitet die AG Diversity & Gender Equality am DFKI.

    Foto von Kinga Schumacher, die gerade lächelnd in ein Mikrofon spricht. Im Hintergrund steht eine Gebärdensprachdolmetscherin.
    Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

     

    Zentrale Positionen:

    • Für KI-Assistenz braucht es Autonomiestufen wie beim autonomen Fahren, festgelegt von den Nutzenden, nicht von Entwickler*innen.
    • Technologie sollte echte Probleme lösen, statt um ihrer selbst willen entwickelt zu werden.

    „Man sollte Annahmen explizit machen, man sollte Annahmen aufschreiben. […] Wir haben alle unbewusste Verzerrungen […] wir stellen uns vor, welche Bedürfnisse Personen mit Einschränkungen haben oder welche Probleme da sind. Ich kann mir das vorstellen, aber es wird weit weg von der Realität sein.“

Fazit und Ausblick

Die Fachtagung hat gezeigt, wie wertvoll der persönliche Austausch zwischen Menschen mit Behinderungen, Fach- und Führungsperonen der beruflichen Rehabilitation, Unternehmen und Forschenden ist. Ansätze für KI-Assistenz zur Förderung der beruflichen Teilhabe sind vielfältig, jedoch bleibt Inklusion eine menschliche Herausforderung: Menschen mit Behinderungen müssen als Expert*innen in eigener Sache von Anfang an beteiligt und ihre Daten gut geschützt werden. Eine Stimme aus dem Publikum brachte in einem Abschluss-Statement konkrete Vorschläge ein, etwa KI-Assistenzsysteme, die offline funktionieren oder Daten nur in Europa verarbeiten.

Die Ergebnisse aus den Vorträgen, Ideenwerkstätten und Diskussionen fließen in die weitere Arbeit von KI-Kompass Inklusiv ein. Im Jahr 2027 findet die Abschlusstagung des Projekts online statt. Informationen dazu veröffentlichen wir rechtzeitig auf dieser Website.

Kontakt zum Projektteam

Bei Fragen zur Fachtagung wenden Sie sich gern an info@ki-kompass-inklusiv.de

Gruppenfoto vom Projektteam auf der Fachtagung 2026
Foto: DFKI / Thomas Rafalzyk

Die Projektpartner:

  • Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) – Konsortialleitung
  • Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke (BV BFW)
  • Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW)
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM)