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KI-Assistenz auf dem Prüfstand: Übersetzung in Leichte Sprache

Wir berichten in unseren Beitragsreihe “KI-Assistenz auf dem Prüfstand” über Kritik an KI-Assistenz-Technologien von Menschen mit Behinderungen. Außerdem teilen wir als Projektteam unsere Einschätzung zur Kritik.

Im Projekt KI-Kompass Inklusiv ist es unser Ziel, über die Potentiale von KI-Assistenz für Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben zu informieren. Dafür erfassen wir mit unserem Monitoring regelmäßig aktuelle Informationen zu entsprechenden Technologien für Menschen mit Behinderungen. Die Ergebnisse können Sie im Technologie-Monitor einsehen. 

Zudem zeigen wir bei Informationsveranstaltungen, Schulungen und Beratungen, wie KI-Technologien Menschen mit Behinderungen bei der Arbeit unterstützen können. Dabei stoßen wir neben großem Interesse an und Begeisterung für die Möglichkeiten von KI-gestützter Assistenz auch auf Kritik an vorhandenen KI-Assistenz-Technologien. Dieses konstruktive Feedback ist wichtig für die Weiterentwicklung der Technologien. Besonders, wenn Menschen mit Behinderungen auf Herausforderungen und Verbesserungspotentiale hinweisen.  

In diesem Beitrag geht es um die Kritik an der Übersetzung von komplexer in Leichte Sprache durch KI. 

Kritik an der Übersetzung in Leichte Sprache durch KI 

Das Projektteam berichtet regelmäßig in Schulungen und Veranstaltungen über verschiedene KI-Technologien für die Textvereinfachung. Unserer Erfahrung nach richten sich viele dieser KI-Tools nicht primär an Menschen mit Lern- und geistigen Behinderungen, sondern an alle, die bei ihrer Arbeit zum Beispiel viel schriftlich kommunizieren oder Informationen für ihre Zielgruppe aufbereiten. Zudem können diese KI-Technologien hilfreiche Werkzeuge für Menschen sein, die bisher wenige Erfahrungen mit Einfacher und Leichter Sprache haben. Denn:  

(1) Sie reduzieren den Zeit- und Ressourcen-Aufwand für eine möglichst einfache Informationsaufbereitung und Kommunikation.

(2) Die regelmäßige Nutzung dieser KI-Tools kann auch einen Lernprozess für einfachere Kommunikation unterstützen.  

Beides kann zu einer zunehmenden Darstellung von Informationen zum Beispiel im Internet oder in Betrieben in Leichter Sprache führen. In diesem Sinne können KI-Technologien für die Textvereinfachung aus Sicht unseres Projektteams einen Beitrag zur Barrierefreiheit und beruflichen Inklusion leisten.  

Gleichzeitig bergen die Vorteile von KI-Tools zur Textvereinfachung auch eine Gefahr für die Barrierefreiheit und berufliche Inklusion. Denn Anbieter solcher KI-Tools handeln mit dem Ziel der Vermarktung und Gewinnung von Kund*innen und werben entsprechend oft mit der Sicherstellung der Barrierefreiheit. Dieses Versprechen trifft in der Praxis jedoch lediglich auf Entscheider*innen und Anwender*innen zu, für die komplexe Sprache selbst keine Barriere darstellt oder die keine Weiterbildung und entsprechend wenig Erfahrung im Bereich der Einfachen und Leichten Sprache haben. Wenn diese KI-Assistenz-Technologien auf den ersten Blick eine spürbare Vereinfachung eines Textes bewirken und kostengünstig sind, werden diese in der Praxis zunehmend auch verwendet. Das kann dazu führen, dass professionelle Übersetzer*innen und Prüfer*innen für Leichte Sprachen nicht mehr eingesetzt und entsprechend ersetzt werden. Um jedoch qualitativ hochwertige und für die Zielgruppe verständliche Texte zu erhalten, ist die Einbindung von Expert*innen in eigener Sache mehr als ratsam. Daher sieht auch das Regelwerk vom Netzwerk Leichte Sprache e. V.  die Prüfung eines Textes durch mindestens zwei Nutzer*innen der Leichten Sprache als wesentliches Kriterium vor. Ein KI-Tool kann sich somit immer nur an den Regeln der Leichten Sprache orientieren, aber nie tatsächlich einen Text in Leichter Sprache generieren. 

So berichten in einem Beitrag der Beratungsstelle Barrierefreiheit auch Übersetzer*innen und Prüfgruppen für Leichte Sprache, dass KI-Technologien bereits Texte gemäß den Regeln der Leichten Sprache übersetzen, diese Übersetzungen aber oft deutlich schlechter sind als die von Menschen: Zusammenhänge gehen verloren sowie Stil und Verständlichkeit werden nicht adäquat umgesetzt. 

Ebenso verweist der Barrierekompass darauf, dass Künstliche Intelligenz zwar Sätze kürzen kann, oft jedoch nicht erkennt, welche Erklärungen für eine Zielgruppe mit Lern- und geistige Behinderung wirklich nötig sind (z. B. einfache Erklärungen zu Fachbegriffen oder Grundlagenwissen). 

Wir empfehlen daher, KI-Tools für die Textvereinfachung vor dem Einsatz kritisch zu prüfen und zum Beispiel durch eine Weiterbildung der operativen Mitarbeiter*innen zur barrierefreien Kommunikation in Einfacher und Leichter Sprache sowie durch die Einbindung von Expert*innen in eigener Sache zu ergänzen. Für unsere Arbeit im Projekt nutzen wir selbst KI-Tools für die Textvereinfachung und arbeiten ebenso mit einem Übersetzungsbüro für Leichte Sprache zusammen (zum Beispiel für Texte auf unserer Projektwebseite oder Präsentationen). Unser Ziel: Die Vorteile zum Beispiel für effizientes und ressourcensparendes Arbeiten durch KI-Tools nutzen und gleichzeitig sicherstellen, dass unsere Informationen so hochwertig und verständlich wie möglich sind. 

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