zum Hauptinhalt springen

Das Arbeitgeber-Praxislabor Thüringen

Was passiert im Arbeitgeber-Praxislabor Thüringen?

Im Juni 2025 startete das dritte Arbeitgeber-Praxislabor des Projekts KI-Kompass Inklusiv – eine Kooperation mit dem Berufsförderungswerk (BFW) Thüringen und der Firma Meleghy Automotive. Im Mittelpunkt dieses Arbeitgeber-Praxislabors steht die Überwindung von Sprach- und Hörbarrieren im Produktionsbereich des Unternehmens sowie im BFW durch die Nutzung eines KI-Tools zur Simultanübersetzung und Transkription von Interaktionen.

Aktuell befindet sich die Anwendung im BFW und bei Meleghy Automotive in  der Erprobung. Im Berufsförderungswerk wird das Tool bei kaufmännischen Ausbildungsberufen im Englischkurs zur Unterstützung beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erprobt. Im Einsatz ist es beispielsweise für Übungen zu Produktvorstellungen sowie der Simulation von Verkaufsgesprächen. Im Bereich technische Ausbildungsberufe werden beispielsweise Beratungsgespräche in Fremdsprachen simuliert, um auf den beruflichen Alltag vorzubereiten. Im Rahmen der Integrationsmaßnahmen zur Unterstützung beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erproben Rehabilitand*innen das Tool zur Überwindung von Sprachbarrieren in der Kommunikation am Arbeitsplatz. Bei Meleghy Automotive wird das Tool von ehemaligen Rehabilitand*innen als Anleiter*innen im Produktionsbereich zur Reduktion von Stress in Situationen mit Kommunikationsbarrieren erprobt.

Zwei Personen schauen gemeinsam auf ein Handy und einen einen großen Bildschirm. Auf dem großen Bildschirm ist verschwommen ein Text mit der Überschrift Schwermetalle zu sehen.
Anwendung von transcribbyAI im BFW Thüringen; Quelle: BV BFW

Was ist das Ziel der Erprobung einer Transkriptions- Und Übersetzungssoftware?

Das BFW Thüringen möchte im Rahmen des Praxislabors die berufliche Teilhabe von Rehabilitierenden mit Hörbeeinträchtigungen und/oder Sprachbarrieren fördern. In Deutschland leben nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes ca. 16 Millionen Menschen die von einer Hörbeeinträchtigung betroffen sind. Zudem leben in Deutschland auch zugewanderte Personen mit eingeschränkten Kenntnissen der deutschen Sprache. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sind für diese Personenkreise bisher häufig nicht durchführbar, da relevante Qualifizierungs- und Integrationsinhalte nicht hinreichend vermittelt werden können und überdies in betrieblichen Phasen und im späteren Arbeitskontext eine sprachliche Verständigung nicht in ausreichendem Maße gegeben ist.

Ziel des Praxislabors ist es, im betrieblichen Umfeld arbeitsprozessnah Möglichkeiten zu erproben, um die sprachlichen Barrieren zu überwinden. Mithilfe eines geeigneten Assistenzsystems soll ein akustischer Sprachinput adressatengerecht umgewandelt werden. Im Fall von Hörbeeinträchtigungen wird die Umwandlung vordergründig durch Transkription in der Ausgangssprache (spech-to-text) erfolgen. Im Fall von bilingualen Sprachbarrieren ist neben einer Transkription (spech-to-text) zusätzlich ein akustischer Output (spech-to-spech) in einer anderen Sprache möglich. Mögliche Einsatzbereiche umfassen neben dem Abbau von Barrieren für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen auch die Unterstützung von Personen mit psychischen Beeinträchtigungen und Lernschwierigkeiten, wobei der Fokus auf der Reduzierung von Stressfaktoren Sprachbarrieren liegt, um eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern.

Wer ist noch an diesem Arbeitgeber-Praxislabor beteiligt?

Ein KI-Ethik-Workshop von Mitarbeitenden des Projekts KI-Kompass Inklusiv vermittelte den teilnehmenden Mitarbeitenden vor Beginn der Erprobung notwendige Kompetenzen zur ethischen und datenschutzrechtlichen Einordnung. Die kontinuierliche Evaluation des Praxislabors erfolgt durch das Institut für Technik und Arbeit e. V. (ITA), dass die Ausgangs- und Endbefragung sowie das Führen eines Nutzungstagebuchs betreut und evaluiert. So kann das bei der Erprobung entstehende Feedback der Nutzenden direkt ausgewertet und bei Bedarf können Verbesserungen zeitnah umgesetzt werden.

 

Steckbrief zum Arbeitgeber Praxislabor Thüringen

Start: Juni 2025

Praxispartner Reha-Einrichtung: Berufsförderungswerk Thüringen

Praxispartner Unternehmen:  Meleghy Automotive GmbH & Co. KG

Teilnehmende: Rehabilitierende verschiedener Fachrichtungen und ehemalige Rehabilitierende im Unternehmen in den Bereichen Fertigung und Logistik

KI-Technologie: Transkriptions- und Übersetzungssoftware transcribby AI

Externe Evaluation: Institut für Technologie und Arbeit e.V. (ITA) 

Sie möchten mehr erfahren?

Ansprechpartner für die Arbeitgeber-Praxislabore ist der Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke (BV BFW). Sie erreichen uns am besten per E-Mail: ki-kompass@bv-bfw.de