Künstliche Intelligenz und Digitalisierung – zwei Begriffe, die oft genutzt werden, wenn es um moderne Technologien in der heutigen Arbeitswelt geht. Aber was bedeutet Digitalisierung? Was verbirgt sich hinter dem Begriff Künstliche Intelligenz? Und in welchem Zusammenhang stehen sie? Wie kann man Künstliche Intelligenz und Digitalisierung voneinander abgrenzen? Diese Fragen werden im folgenden Beitrag thematisiert und anhand eines Beispiels zu KI-gestützten Assistenzsystemen erläutert.
Digitalisierung
Der Begriff Digitalisierung bezieht sich sowohl auf technologische als auch auf gesellschaftliche Prozesse.
Auf technologischer Ebene handelt es sich hierbei um zwei Entwicklungen: Einerseits beschreibt Digitalisierung den Prozess, mit dem Informationen in maschinenlesbare Daten umgesetzt und gespeichert – also digitalisiert – werden. Andererseits bezeichnet Digitalisierung auch Vorgänge, bei denen Daten verarbeitet, übermittelt und kombiniert werden. So können Formate wie Schrift, Sprache und Bilder umgewandelt und für Menschen erfassbar gemacht werden. Mithilfe von Computern, Software und dem Internet finden diese Prozesse automatisiert und vernetzt statt.
Auf gesellschaftlicher Ebene betrifft die Digitalisierung darüber hinaus den Alltag und damit sowohl Einzelpersonen als auch die gesamte Gesellschaft. Digitalisierung stößt gesellschaftliche Prozesse an: beispielweise ist das mobile Arbeiten zuhause inzwischen weit verbreitet und Medienkompetenzen sind heute wichtiger als je zuvor. Außerdem greifen Digitalisierungsprozesse auf gesellschaftlicher Ebene, wenn Menschen (digitale) Technologien entwickeln und nutzen, ihren Einsatz gestalten und dabei die Zusammenhänge und Auswirkungen beobachten und diskutieren.
Maßnahmen der Digitalisierung führten bereits in den letzten Jahren in folgenden zentralen Bereichen des Lebens zu Veränderungen:
- Kommunikation, Medien und Öffentlichkeit,
- Gesellschaft, Kultur und Bildung,
- Infrastruktur und Umwelt,
- Wirtschaft und Arbeit,
- Politik, Recht und Verwaltung,
- Gesundheit und Krankheit,
- Kriminalität, Sicherheit und Freiheit.
Des Weiteren gibt es übergeordnete Aspekte, die bei der Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen. Hierzu gehören digitalethische Fragestellungen, Wechselwirkungen zwischen den aufgeführten Bereichen sowie zentrale Chancen und Herausforderungen und der gegenwärtige Umgang mit ihnen (Müller-Brehm et al., 2020).
Mit dem Prozess der Digitalisierung verändert sich auch die Arbeit. Diese Entwicklungen haben direkten Einfluss auf den Arbeitsmarkt (Klingbeil-Döring, 2020):
- Die Technisierung von Arbeit
- Die Veränderung von Geschäftsmodellen und von Arbeitsorganisation
- Der Wandel der benötigten und gefragten Kompetenzen und Qualifikationen
Maschinen können beispielsweise körperlich belastende, monotone oder gefährliche Arbeiten übernehmen, sodass in manchen Bereichen Arbeitsstellen im Produktionsprozess wegfallen könnten. Andererseits entstehen durch die Digitalisierung weitere Berufsfelder, für die neue Qualifikationen erforderlich sind: zum Beispiel die Wartung von Robotern oder die zentrale Überwachung von Produktionsprozessen. Damit gehen große Veränderungen am Arbeitsplatz und neue Anforderungen einher. Die nachfolgende Abbildung 1 zeigt eine Prognose zu diesen Verschiebungen am Arbeitsmarkt. Sie stellt die Branchen in Deutschland dar, bei denen die Beschäftigtenzahl durch die Digitalisierung von 2014 bis 2030 voraussichtlich am stärksten zu- oder abnehmen wird (Müller-Brehm et al., 2020).

Es lässt sich die Tendenz erkennen, dass in sozialen Berufen und bei komplexen Dienstleistungen, wie beispielsweise der Rechtsberatung, die Anzahl der Beschäftigten bis zum Jahr 2030 steigen wird. Hingegen wird in diesem Zeitraum die Anzahl der Beschäftigten bei repetitiven Berufen, wie dem Einzelhandel, in der Industrie und der Verwaltung sinken.
Es wird deutlich, dass mit der Digitalisierung große Veränderungen am Arbeitsplatz und neue Anforderungen einher gehen. Hier gilt es für Arbeitgeber, aber auch für Individuen, sich entsprechende Kompetenzen und Fähigkeiten anzueignen, um sich an die veränderten Bedingungen flexibel anpassen zu können.
Künstliche Intelligenz
Es gibt mehrere Definitionen und unterschiedliche Auffassungen von Künstlicher Intelligenz. Im Projekt KI-Kompass Inklusiv wird die KI-Definition der Hochrangigen Expertengruppe für Künstliche Intelligenz der Europäischen Union (HLEG, 2019) verwendet:
„Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI-Systeme) sind vom Menschen entwickelte Softwaresysteme (und gegebenenfalls auch Hardwaresysteme), die in Bezug auf ein komplexes Ziel auf physischer oder digitaler Ebene handeln, indem sie ihre Umgebung durch Datenerfassung wahrnehmen, die gesammelten strukturierten oder unstrukturierten Daten interpretieren, Schlussfolgerungen daraus ziehen oder die aus diesen Daten abgeleiteten Informationen verarbeiten, und über das bestmögliche Handeln zur Erreichung des vorgegebenen Ziels entscheiden. KI-Systeme […] sind auch in der Lage, die Auswirkungen ihrer früheren Handlungen auf die Umgebung zu analysieren und ihr Verhalten entsprechend anzupassen.“ (HLEG, 2019, S. 6)
Demnach sind KI-Systeme Programme oder Geräte, die durch das Sammeln und Verarbeiten von Daten eigenständig Entscheidungen treffen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie können ihre Umgebung wahrnehmen, Schlussfolgerungen ziehen und ihre Handlungen darauf abstimmen. Außerdem lernen sie aus vergangenen Erfahrungen und passen ihr Verhalten an, um immer bessere Ergebnisse zu erzielen.
Weitere Informationen zu Künstlicher Intelligenz sowie zu wichtigen Entwicklungen und Begriffen rund um das Thema KI finden Sie im BeitragWas ist Künstliche Intelligenz? Eine Einführung.
KI und Digitalisierung
Während Digitalisierung der Prozess ist, analoge in digitale Daten umzuwandeln sowie dadurch auf gesellschaftlicher Ebene Veränderungen zu bewirken, ist KI als Teilgebiet der Informatik die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren (EU-Parlament, 2020). Digitalisierung ermöglicht es, große Mengen an Daten zu sammeln und zu analysieren. KI wiederum nutzt diese Daten, um Muster zu erkennen und Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Dadurch können Prozesse automatisiert und effizienter gestaltet werden (Isler, o. J.). Somit kann die Digitalisierung auf technologischer Ebene als Grundlage für aktuelle und künftige KI-Entwicklungen verstanden werden, die wiederum digitalisierte Prozesse weiter optimieren und die Digitalisierung auf gesellschaftlicher Ebene beeinflussen.
Diese Wechselwirkung von Digitalisierung und KI führt zu einer immer stärker vernetzten Welt, in der Technologien nicht nur in der Arbeitswelt unterstützen, sondern auch bei der Lösung komplexer globaler Herausforderungen helfen können (Hesse, 2024).
Beispiele zu KI und Digitalisierung
Die Unterscheidung der beiden Begriffe Digitalisierung und KI soll an dieser Stelle am Beispiel einer intelligenten Datenbrille (siehe auch KI-Steckbrief zu TeamViewer Frontline – xMake) verdeutlicht werden.
Es gibt eine Vielzahl digitaler Assistenztechnologien, wie zum Beispiel eine Lernsoftware oder ein Bildschirmleseprogramm. Bei KI-gestützten Assistenztechnologien kommen zusätzlich KI-Methoden wie beispielsweise Bild- oder Objekterkennung zum Einsatz.
Bei der intelligenten Datenbrille mit dem Modul TeamViewer Frontline – xMake handelt es sich um einen tragbaren Computer, der durch Schritt-für-Schritt-Anleitungen den Träger*innen assistiert. Die Datenbrille verfügt über einen digitalen Bildschirm, eine Kamera, ein Mikrofon und einen Lautsprecher, die Daten erfassen und verarbeiten. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen erscheinen je nach Bedarf als Video, Bild oder Text auf dem Bildschirm bzw. werden über den Lautsprecher ausgegeben.
Als KI-Komponenten werden Spracherkennung sowie sensorbasierte Objekt- und Bewegungserkennung eingesetzt. Dadurch können beispielsweise in der Montage Werkzeuge erkannt oder zusammengesetzte Bauteile überprüft werden. Mithilfe der Spracherkennung lassen sich die Schritt-für-Schritt-Anleitungen per Sprachbefehl steuern (KI.ASSIST, 2021).
Bei dieser KI-gestützten Assistenztechnologie finden die automatisierte Datenverarbeitung, -übermittlung und -kombination mithilfe des Bildschirms, der Kamera, des Mikrofons und des Lautsprechers auf der Datenbrille digital statt. Ergänzend dazu nimmt die Datenbrille durch die oben genannten KI-Komponenten ihre Umgebung durch Datenerfassung wahr, interpretiert die Daten, zieht Schlussfolgerungen daraus und verarbeitet die abgeleiteten Informationen: Sie erkennt die erfolgreiche Ausführung jedes Arbeitsschrittes und gibt Rückmeldung im Sichtfeld der Träger*innen (KI.ASSIST, 2021).
Das Beispiel zeigt, dass der Einsatz der KI-gestützten Datenbrille einerseits selbst als Teil der Digitalisierung gesehen werden kann, weil dadurch Arbeitsprozesse digitalisiert werden. Andererseits ist vor dem Einsatz der KI-gestützten Datenbrille ein Digitalisierungsprozess notwendig, um die KI-gestützte Assistenztechnologie überhaupt einsetzen zu können: In diesem Beispiel müssen vorher Daten digital erfasst sowie Schritt-für-Schritt-Anleitungen digitalisiert werden. Die oben genannte Spracherkennung sowie sensorbasierte Objekt- und Bewegungserkennung ergänzen und individualisieren als KI-Komponenten diese digitalen Prozesse.
Fazit und Ausblick
Die beiden Begriffe Digitalisierung und Künstliche Intelligenz beschreiben grundlegend unterschiedliche Konzepte und Prozesse, üben aber wechselseitig Einfluss aufeinander aus und bergen in Kombination großes Potenzial, zahlreiche Aspekte unseres Lebens zu verändern. Das gemeinsame Ziel von Digitalisierung und vom Einsatz von KI-Technologien ist es, menschliche Fähigkeiten durch Technologie zu unterstützen und Innovationen in verschiedenen Bereichen voranzutreiben. Digitalisierungsprozesse können Daten effizienter verwalten, während KI diese Daten nutzt, um intelligente Lösungen für komplexe Probleme zu entwickeln (Hesse, 2024).
Mehr Informationen zum Thema
Mehr Informationen zum Thema finden Sie unter den folgenden Links:
Zum Thema Digitalisierung:
- Einführung und Überblick: Was bedeutet Digitalisierung? | bpb.de
- Strategie für einen digitalen Aufbruch | Bundesregierung
- Was ist Digitalisierung? | de.digital
Zum Thema Künstliche Intelligenz:
- Fortschritte Künstlicher Intelligenz für unser Land nutzen | Bundesregierung
- Künstliche Intelligenz | Fraunhofer IAIS
- Künstliche Intelligenz (KI) | Fraunhofer-Gesellschaft
- Künstliche Intelligenz: Funktionsweise, Anwendungsgebiete und Risiken | verbraucherzentrale.de
- Was ist künstliche Intelligenz und wie wird sie genutzt? | Europäisches Parlament
Literaturverzeichnis
- Europäisches Parlament. (2020). Was ist künstliche Intelligenz und wie wird sie genutzt? Abgerufen am 20.01.2025 von https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20200827STO85804/was-ist-kunstliche-intelligenz-und-wie-wird-sie-genutzt
- Hesse, R. (2024, 13. Januar). Digitalisierung vs. Künstliche Intelligenz: Verstehen der Unterschiede. Braintrust Group. https://www.braintrust-group.de/impuls-des-tages/digitalisierung-vs-kuenstliche-intelligenz/
- Hochrangige Expertengruppe für Künstliche Intelligenz. (2019). Eine Definition der KI: wichtigste Fähigkeiten und Wissenschaftsgebiete. https://ec.europa.eu/futurium/en/system/files/ged/ai_hleg_definition_of_ai_18_december_1.pdf
- Isler, K. (o. J.). KI und Digitalisierung: Wie Unternehmen ihre Prozesse mit KI automatisieren können. Hagel IT-Services. https://www.hagel-it.de/it-insights/ki-und-digitalisierung-wie-unternehmen-ihre-prozesse-mit-ki-automatisieren-koennen.html
- KI.ASSIST. (2021). TeamViewer Frontline – xMake. Abgerufen am 20.01.2025 von https://www.ki-assist.de/wissen/kuenstliche-intelligenz/ki-basierte-assistenztechnologien/xmake
- Klingbeil-Döring, W. (2020). Digitalisierung und der Arbeitsmarkt. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den deutschen Arbeitsmarkt aus? Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/themen/arbeit/arbeitsmarktpolitik/316908/digitalisierung-und-der-arbeitsmarkt/
- Müller-Brehm, J., Otto, P. & Puntschuh, M. (2020). Digitalisierung. Informationen zur politischen Bildung, 344/2020. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/IzPB_344_Digitalisierung_barrierefrei.pdf
Veröffentlicht im März 2025