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KI und Inklusion – Informations- und Schulungsbedarfe von Menschen mit Behinderungen, Fachkräften der beruflichen Rehabilitation und Unternehmen (SBV)

Barrierefreiheit und Inklusion

Bericht | Detailbetrachtung

Der Beitrag bietet eine Übersicht über die Informations- und Schulungsbedarfe hinsichtlich KI und Inklusion von Menschen mit Behinderungen, Fachkräften der beruflichen Rehabilitation und Unternehmen (Schwerbehindertenvertretungen).

KI-Systeme für Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz

Mit dem Inkrafttreten der europäischen KI-Verordnung (KI-VO) ist deutlich geworden, dass der verantwortungsvolle Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) nicht allein eine technische oder juristische Frage ist. Die KI-Verordnung (im Englischen AI-Act genannt) verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen dazu, Maßnahmen zur Förderung von KI-Kompetenzen bei Nutzer*innen umzusetzen (Straub, 2025). Diese Anforderung zeigt, dass es essenziell ist, Nutzer*innen zum Umgang mit KI-gestützten Assistenztechnologien zu schulen und ihnen das notwendige Verständnis, die kritische Reflexionsfähigkeit sowie den sinnvollen Einsatz von KI-Systemen zu vermitteln. Außerdem wird deutlich, dass es nicht ausreicht, KI-Technologien zur Verfügung zu stellen, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Erst die tatsächlichen Kompetenzen der Nutzer*innen sowie der Fachkräfte, die damit arbeiten, entscheiden maßgeblich über den erfolgreichen Einsatz von KI im beruflichen Kontext (KI.ASSIST, 2022). Während digitale Grundkompetenzen mittlerweile als Schlüsselqualifikationen für den Arbeitsmarkt gelten (Biedermann, J. & Tschöke, P., 2022), bleibt die Frage offen, welche spezifischen KI-Kompetenzen insbesondere für Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben erforderlich sind. Es fehlen bislang Leitlinien oder Handlungsempfehlungen, die aufzeigen, wie diese Zielgruppe KI-Technologien effektiv für ihre Bedarfe nutzen kann. Hier setzt das Projekt KI-Kompass Inklusiv an und liefert erste Erkenntnisse darüber, welche Informations- und Schulungsbedarfe bei den Zielgruppen bestehen. Auf Basis dieses Kenntnisstandes werden zielgruppengerechte Angebote konzipiert, um die notwendigen KI-Kompetenzen zu fördern. 

Zu den betrachteten Zielgruppen gehören Menschen mit Behinderungen, Fachkräfte der beruflichen Rehabilitation sowie Schwerbehindertenvertretungen (SBV) und Vertrauenspersonen in Unternehmen. 

Erhebung

Im Zeitraum von Januar 2023 bis Oktober 2025 wurden erstmalig die Wissensbedarfe der von Menschen mit Behinderungen, Fachkräften der beruflichen Rehabilitation und die Schwerbehindertenvertretungen und Vertrauenspersonen in Unternehmen, im Kontext von KI für die berufliche Teilhabe erhoben und analysiert. Der vorliegende Beitrag beruht auf den Ergebnissen der   Online-Befragungen (Bedarfsanalyse) im Rahmen des Projekts. Insgesamt nahmen 561 Menschen mit Behinderungen (Rehabilitand*innen)263 Reha-Fachkräfte und 49 Unternehmen (Schwerbehindertenvertretungen und Vertrauenspersonen) an der Bedarfsanalyse teil. Zudem wurden 71 digitale und Präsenzveranstaltungen von KI-Kompass Inklusiv berücksichtigt. Die Informations- und Schulungsangebote wurden ausgewertet, um zentrale Bedarfe und Herausforderungen zu identifizieren. Ziel der Analysen war es, die Erwartungen und Bedarfe der unterschiedlichen Zielgruppen zu KI-gestützten Assistenztechnologien im Kontext der Wissensvermittlung innerhalb der beruflichen Teilhabe zu beleuchten.

Ergebnisse der Bedarfsanalysen

Die verschiedenen Zielgruppen wurden in den Bedarfsanalysen befragt und durch Impulsvorträge, Schulungen, Podcast-Formate, Workshops und Webinare gezielt zu Einsatzmöglichkeiten von KI-Assistenztechnologien im Arbeitsleben, deren Potenziale sowie Herausforderungen sensibilisiert und informiert. Die Analyse der Befragungen und die Auswertung der Formate zur Wissensvermittlung sowie der Austausch mit den Zielgruppen ermöglicht eine differenzierte Ableitung der Wissensbedarfe im Kontext von KI und beruflicher Teilhabe. Für die Weiterentwicklung und Anpassung des Projektangebots wurden spezifische Bedarfsprofile anhand des Datenmaterials erarbeitet; diese werden in den folgenden Abschnitten systematisch dargestellt.

Menschen mit Behinderungen

In der Online-Befragung von 561 Rehabilitand*innen wurde die Frage gestellt, in welchen Lebensbereichen KI unterstützen soll. Abbildung 1 zeigt, dass sich die Zielgruppe insbesondere bei der Verarbeitung von Informationen und im Bereich der Kommunikation Unterstützung von KI-Assistenzsystemen wünscht. Daher werden in den Veranstaltungen des Projekts KI-Kompass Inklusiv gezielt KI-Technologien vorgestellt und geschult, die in diesen Bereichen Unterstützung bieten können. 

Balkendiagramm mit Ergebnissen zur Frage an Rehabilitand*innen: In welchen Lebensbereichen soll KI Sie unterstützen? (N=561, Angaben in Prozent). Informationen verarbeiten 59%, Bewerbung 40%, Kommunikation 36%, Ausdauer 36%, Mobilität und Körper 26%, Gefühle und Emotionen 19%, Weiß ich nicht 6%.
Abbildung 1: Rehabilitand*innen. In welchen Lebensbereichen soll KI Sie unterstützen? (Bedarfsanalyse Projekt KI-Kompass Inklusiv)

In den verschiedenen Veranstaltungsformaten äußerten Menschen mit Behinderungen den Bedarf an verständlichen und barrierearmen Informationen zum Thema KI. Dazu gehören sprachlich vereinfachte Inhalte und angepasste Kommunikationsformate, die individuell auf den jeweiligen Unterstützungsbedarf abgestimmt sind. Ein häufig geäußerter Wunsch ist ein Überblick über aktuell auf dem Markt verfügbare KI-gestützte Assistenztechnologien, die als digitale Hilfsmittel auf die jeweilige Behinderungsart zugeschnitten sind. Besonders groß ist das Interesse an praxisnahen Anwendungen von KI-gestützten Assistenzsystemen, insbesondere mit Blick auf konkrete Einsatzmöglichkeiten im Arbeitsalltag. Im Mittelpunkt stehen anschauliche Beispiele und persönliche Erfahrungen mit KI-Technologien. Die Teilnehmer*innen möchten KI nicht nur theoretisch verstehen, sondern direkt erleben, wie diese KI-Technologien die berufliche Teilhabe verbessern können und was dabei zu beachten ist. Neben inhaltlichen Aspekten ist auch der barrierearme Zugang zu den Technologien selbst ein zentrales Anliegen. Ebenso besteht der Bedarf an Informationen zu möglichen Finanzierungswegen für diese Technologien, beispielsweise über das Integrationsamt, die Agentur für Arbeit oder die Rentenversicherung. 

Abbildung 2 zeigt, über welche Bereiche von KI die befragten Rehabilitand*innen mehr Wissen erlangen möchten. Es wird deutlich, dass sich die Zielgruppe Informationen und Kompetenzen zu den Themen Chancen und Risiken sowie Datenschutz und Sicherheit wünscht. In Netzwerkgesprächen wird zudem ersichtlich, dass diese Themen eine große Rolle bei Menschen mit Behinderungen spielen und es einen hohen Bedarf an Vertrauensbildung gegenüber KI gibt.

Balkendiagramm mit Ergebnissen zur Frage an Rehabilitand*innen: Über welche Bereiche der KI möchten Sie mehr lernen? (N=561, Angaben in Prozent, Mehrfachantworten möglich). Nutzung auf der Arbeit 56%, Chancen und Risiken 45%, Berufliche Möglichkeiten 44%, Datenschutz und Sicherheit 43%, Grundlagen 39%, Übungen 38%, Keine Angaben 30%, Technische Themen 30%, Weitere Bereiche 23%.
Abbildung 2: Rehabilitand*innen. Über welche Bereiche der KI möchten Sie mehr lernen? (Bedarfsanalyse Projekt KI-Kompass Inklusiv)

Die Auswertung der Veranstaltungen zeigt: Die Einführung von KI im Arbeitsleben löst bei Menschen mit Behinderungen und Arbeitnehmer*innen teilweise Unsicherheiten und Ängste aus. Besonders häufig wird die Sorge vor einem möglichen Arbeitsplatzverlust genannt. Viele befürchten, dass KI menschliche Arbeit ersetzt, vor allem bei Routine- und Verwaltungsaufgaben und dadurch Tätigkeiten wegfallen, die bislang auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich waren. Die zunehmende Automatisierung wird daher als Risiko für die berufliche Teilhabe wahrgenommen. Zudem werden ethische Bedenken und soziale Ängste geäußert, da eine Gefahr der Entmenschlichung im Arbeitsleben und in der Gesellschaft durch die zunehmende Entwicklung und den Einsatz von KI-Technologien gesehen wird. Auch die Angst vor dem Verlust von Autonomie und Kontrolle wird genannt: Es besteht die Befürchtung, dass Entscheidungen zunehmend von Algorithmen getroffen werden (z. B. in der Personalplanung) und KI-Systeme zur Überwachung von Mitarbeiter*innen eingesetzt werden könnten. Weiterhin sorgen Intransparenz und Unklarheit darüber, was mit den erhobenen Daten geschieht, sowie die Befürchtung, dass KI bestehende Vorurteile und Diskriminierungen verstärkt, weil Trainingsdaten häufig nicht ausreichend divers sind (z. B. in Bezug auf körperliche, kognitive oder psychische Behinderungen). Schließlich befürchten Menschen mit Behinderungen, dass KI-Systeme nicht barrierefrei gestaltet werden und neue Technologien bestehende Teilhabehürden weiter verstärken könnten.

Die erfolgreiche Wissensvermittlung von KI und Inklusion in der Arbeitswelt erfordert daher einen sensiblen Umgang mit diesen Ängsten und Sorgen. Sie müssen ernst genommen und besprochen werden. Um den bestehenden Befürchtungen richtig zu begegnen, braucht es gezielte Aufklärungsarbeit und unterstützende Maßnahmen. Dazu gehören eine transparente und barrierearme Kommunikation über den Einsatz von KI, umfassende Schulungs- und Weiterbildungsangebote sowie die Entwicklung klarer ethischer Leitlinien für den Einsatz von KI. Darüber hinaus sollten Menschen mit Behinderungen aktiv in die technischen Entwicklungsprozesse einbezogen werden.

Fachkräfte der beruflichen Rehabilitation

Fachkräfte der beruflichen Rehabilitation haben einen hohen Informations- und Schulungsbedarf im Bereich KI-gestützte Assistenzsysteme. Sie wünschen sich strukturierte Informationen zu aktuellen technologischen Entwicklungen und sowie grundlegendes Wissen zur Funktionsweise und zu den Einsatzmöglichkeiten und Grenzen von KI-Systemen (s. Abb. 3).

Balkendiagramm mit Ergebnissen zur Frage an Reha-Fachkräfte: Über welche Bereiche der KI möchten Sie mehr erfahren? (N=263, Angaben in Prozent, Mehrfachantworten möglich). Anwendungen von KI in der Reha 88%, Grundkenntnisse zum Thema KI 57%, Neue Berufsbilder mit KI 48%, Datenschutz und Sicherheit 46%, Ethische Überlegungen in der KI 39%, Angrenzende Bereiche, um KI nutzbar zu machen 30%.
Abbildung 3: Reha-Fachkräfte. Über welche Bereiche der KI möchten Sie mehr erfahren? (Bedarfsanalyse Projekt KI-Kompass Inklusiv)

Ein zentrales Anliegen ist die praktische Anwendbarkeit: Die Reha-Fachkräfte möchten konkrete Beispiele, wie KI-Systeme im Arbeitsalltag die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen fördern können. Dabei besteht ein hoher Schulungsbedarf zur Bedienung, Anpassung und Integration von KI-Systemen in bestehende Arbeitsprozesse. Die Bedarfe diesbezüglich gehen über reines Grundlagenwissen hinaus. Gefragt sind anwendungsbezogene Kompetenzen (s. Abb. 4) und zielgruppenspezifische Weiterbildungen, die sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Fähigkeiten vermitteln – etwa zur Auswahl und Anpassung geeigneter Assistenztechnologien.

Balkendiagramm mit Ergebnissen zur Frage an Reha-Fachkräfte: Welche Themen sind Ihnen wichtig für die Nutzung von KI in Ihrem Berufsleben? (N=263, Angaben in Prozent, Mehrfachantworten möglich). Selbst Grundwissen zu KI haben: 87 % sehr wichtig/wichtig, 11 % weniger wichtig, 1 % unwichtig, 1 % keine Angabe; Konkretes Wissen über KI haben: 88 % sehr wichtig/wichtig, 9 % weniger wichtig, 1 % unwichtig, 1 % keine Angabe; Sich schnell Wissen über KI aneignen zu können: 83 % sehr wichtig/wichtig, 13 % weniger wichtig, 2 % unwichtig, 1 % keine Angabe; Bedenken und Ängste rund um KI kennen und verstehen: 73 % sehr wichtig/wichtig, 15 % weniger wichtig, 9 % unwichtig, 3 % keine Angabe; Good Practice-Beispiele von KI-Einführungen kennen (technische Dimension): 68 % sehr wichtig/wichtig, 19 % weniger wichtig, 10 % unwichtig, 3 % keine Angabe; Good Practice-Beispiele von KI-Einführungen kennen (Beteiligung der Belegschaft): 74 % sehr wichtig/wichtig, 16 % weniger wichtig, 7 % unwichtig, 3 % keine Angabe.
Abbildung 4: Reha-Fachkräfte. Welche Themen sind Ihnen wichtig für die Nutzung von KI in Ihrem Berufsleben? (Bedarfsanalyse Projekt KI-Kompass Inklusiv)

Viele Fachkräfte erleben die Geschwindigkeit der Innovation als herausfordernd, einige wenige befürchten, nicht Schritt halten zu können. Besonders Kolleg*innen mit geringerer technischer Affinität oder ältere Beschäftigte sehen sich hier im Nachteil. Damit wird deutlich: Der Wissensbedarf ist nicht nur inhaltlicher Natur, sondern betrifft auch die Fähigkeit, technologische Neuerungen einzuordnen, pragmatisch zu nutzen und Grenzen zu erkennen, ohne von Komplexität oder vom Veränderungstempo überfordert zu werden.

Zusätzlich besteht ein hohes Interesse an regelmäßigen Austauschformaten, um Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen für den beruflichen Alltag zu entwickeln.

In der Online-Befragung gaben 68 % der Reha-Fachkräfte an, dass sie einen Bedarf an KI-Assistenztechnologien zur Unterstützung von Rehabilitand*innen in ihrer Einrichtung sehen (s. Abb. 5), obwohl bislang kaum fundierte Erkenntnisse über den erfolgreichen Einsatz solcher Technologien in der beruflichen Rehabilitation vorliegen. Die Erwartungshaltung an Technologiepotenziale steigt schneller als gesicherte Erkenntnisse. Daraus ergibt sich ein Handlungsbedarf: Praxisnahe Wissensvermittlung, damit systematisch nutzbares Wissen entsteht.

Kreisdiagramm mit Ergebnissen zur Frage an Reha-Fachkräfte: Sehen Sie Bedarf für den Einsatz KI-gestützter Assistenztechnologien zur Förderung von Rehabilitand*innen in Ihrer Einrichtung? (N=263, Angaben in Prozent). Ja 68%, Nein 5%, Nicht einschätzbar 25%, Keine Angabe 2%.
Abbildung 5: Reha-Fachkräfte. Sehen Sie Bedarf für den Einsatz KI-gestützter Assistenztechnologien zur Förderung von Rehabilitand*innen in Ihrer Einrichtung? (Bedarfsanalyse Projekt KI-Kompass Inklusiv)

Die Analyse der Veranstaltungsformate zeigt zudem, dass Reha-Fachkräfte mit Blick auf Behinderungsarten und gezielte Unterstützungsbedarfe von Menschen mit Behinderungen vor allem den Bedarf an Assistenztechnologien für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen nennen.

Unternehmen aus der Perspektive der Schwerbehindertenvertretungen (SBV)

Im Austausch mit Unternehmen, insbesondere den Schwerbehindertenvertretungen (SBV) und Vertrauenspersonen, zeigt sich ein hoher Bedarf an fundiertem KI-Grundlagenwissen sowie an rechtlichen und regulatorischen Informationen rund um das Thema KI (vgl. Abb. 6). Um diesem Bedarf zu begegnen, werden im Rahmen des Projekts gezielte Informationsveranstaltungen, Vorträge und Grundlagenschulungen für Schwerbehindertenvertretungen sowohl in Unternehmen als auch in Behörden angeboten.

Balkendiagramm mit Ergebnissen zur Frage an Unternehmen: Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, bei der Einführung von KI über Wissen und Kompetenzen in den unten genannten Bereichen zu verfügen? (N=49, Angaben in Prozent, Mehrfachantworten möglich). Förderprogramme: 49 % wichtig, 18 % unwichtig, 33 % keine Angabe; Bedenken und Ängste rund um KI: 67 % wichtig, 2 % unwichtig, 31 % keine Angabe; Rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen für KI: 69 % wichtig, 0 % unwichtig, 31 % keine Angabe; Möglichkeiten zur Beteiligung der Belegschaft bei der Einführung von KI: 63 % wichtig, 4 % unwichtig, 33 % keine Angabe; Möglichkeiten der technischen Implementierung von KI: 63 % wichtig, 6 % unwichtig, 33 % keine Angabe; Konkrete Anwendungsmöglichkeiten von KI: 67 % wichtig, 2 % unwichtig, 31 % keine Angabe; KI-Grundwissen: 69 % wichtig, 0 % unwichtig, 31 % keine Angabe.
Abbildung 6: Unternehmen. Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, bei der Einführung von KI über Wissen und Kompetenzen in den unten genannten Bereichen zu verfügen? (Bedarfsanalyse Projekt KI-Kompass Inklusiv)

In den Veranstaltungen wurde von Schwerbehindertenvertretungen und Vertrauenspersonen berichtet, dass über die Vermittlung von Grundlagenwissen hinaus ein erheblicher Bedarf an einem strukturierten Überblick über verfügbare KI-Assistenztechnologien zu verschiedenen Behinderungsarten besteht. Ebenso werden konkrete Praxisbeispiele für den Einsatz von KI am Arbeitsplatz sowie Wissen zur inklusiven Gestaltung von Arbeitsplätzen als notwendig erachtet.

Die Erfahrungen aus den Schulungen, sowohl online als auch in Präsenz, verdeutlichen, dass anschauliche und arbeitsplatznahe Beispiele hilfreich sind, um die Potenziale und Risiken von KI realistisch einschätzen zu können. Gleichzeitig wird deutlich, dass Schwerbehindertenvertretungen zunehmend strategische Kompetenzen im Umgang mit KI benötigen. Dazu zählen insbesondere das frühzeitige Erkennen von Risiken wie Diskriminierung oder Datenschutzanforderungen, die Entwicklung fundierter Handlungsempfehlungen, Kenntnisse zu Finanzierungsmöglichkeiten für KI-basierte Hilfsmittel sowie die Fähigkeit, Kommunikationsstrategien für Gespräche mit Geschäftsführungen und IT-Abteilungen zu entwickeln. Letzteres ist insbesondere im Hinblick auf die Förderung digitaler Barrierefreiheit mithilfe von KI-Technologien relevant.

Die Auswertung der durchgeführten Veranstaltungen unterstreicht abschließend den Bedarf an Austauschformaten. Diese ermöglichen es den Schwerbehindertenvertretungen, sich mit Beratungsstellen, Reha-Einrichtungen und Technologieanbietern zu vernetzen und gemeinsam Fragen und Lösungen rund um den Einsatz von KI für mehr Inklusion im Arbeitsleben zu diskutieren.

 

Fazit und Ausblick

Die große Nachfrage nach den Veranstaltungsangeboten des Projekts KI-Kompass Inklusiv verdeutlicht, dass die verschiedenen Zielgruppen den Einsatz von KI im Arbeitsleben als förderlich betrachten, um die berufliche Teilhabe zu stärken. Zusammenfassend werden vier Bereiche für die Wissensvermittlung identifiziert, die zum Aufbau von KI-Kompetenzen beitragen und bei der Konzeption von Wissensangeboten berücksichtigt werden sollten:

  • Barrierearmer und niedrigschwelliger Zugang zu KI-Grundlagenwissen
  • Praxisnahe und konkrete Beispiele zu KI-Technologien
  • Erfahrungsaustausch z. B. in Netzwerken zur Nutzung von KI-gestützten Assistenztechnologien in der Arbeitswelt
  • Sensibilisierung und Reflexion zu Chancen und Herausforderungen bei der Nutzung von KI-gestützten Assistenzsystemen

Der vorliegende Beitrag hebt hervor, dass ein barrierearmer und niedrigschwelliger Zugang zu KI-Grundlagenwissen für die Zielgruppen hohe Relevanz hat. Das theoretische KI-Grundlagenwissen sollte zusätzlich mit praxisnahen Anwendungsbeispielen vermittelt werden. Flankierend sind Angebote zum Erfahrungsaustausch in Netzwerken, sowie die Sensibilisierung zu Chancen und Risiken bei der Nutzung von KI-Systemen notwendig. 

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sollten zukünftige Angebote zur Wissensvermittlung speziell auf die Bedarfe der unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten sein. Diese Herangehensweise fördert nicht nur nachhaltige Kompetenzentwicklung, sondern trägt dazu bei, Barrieren im Zugang zu KI-Technologien weiter abzubauen und die Teilhabechancen für Menschen mit Behinderungen langfristig zu verbessern.

Literatur

Biedermann, J. & Tschöke, P. (2022): Digitale Kompetenzen als Voraussetzung für die berufliche Teilhabe. Schulungen im Projekt KI.ASSIST. Ergebnisbericht des Projekts KI.ASSIST. Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke e. V.

KI.ASSIST-Projekt. (2022). KI-Technologien und berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Ergebnisse und Empfehlungen aus dem Projekt KI.ASSIST. Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke e. V. (Abschlussbroschüre KI.ASSIST)

Straub, S. (2025). Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung. Rechtliche Anforderungen nach der KI-Verordnung.

Veröffentlicht im April 2026

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